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21.09.2016

„Licht bleibt ein Enabler“

Dr. Andreas Nitze, geschäftsführender Gesellschafter der Berliner Glas Gruppe

Dr. Andreas Nitze ist der Photonik seit den frühen 1990er Jahren verbunden. Damals begann er als Werksstudent der Berliner Glas Gruppe. Heute leitet er ihre Geschäfte als geschäftsführender Gesellschafter. Auch als Vorstand des Industrieverbandes SPECTARIS und als Fachbeirat der LASER World of PHOTONICS hat er seine Branche im Blick. Im Interview spricht er über die Bedeutung der Photonik in der Industrie 4.0, über Laser in Biophotonik und Medizin sowie den Trend zu 3D-Technologien.


Herr Dr. Nitze, Industrie 4.0 ist ein Megatrend. Die digitale Fabrik braucht Inline-Qualitätskontrollen. Können optische Technologien insgesamt davon profitieren?

Dr. Andreas Nitze: Optische Messverfahren werden sicherlich eine wichtige Rolle spielen. Bildverarbeitung und Messtechnik machen laut Photonik Branchenreport von SPECTARIS schon heute um die 15 Prozent des Photonik-Markts für deutsche Unternehmen aus. Zahlreiche Messverfahren nutzen die außergewöhnlichen Eigenschaften des Lichts. So werden Oberflächen mit Licht abgescannt, um die Formtreue zu überprüfen oder Höhenunterschiede zu ermitteln. Auch die Optikindustrie selbst nutzt Licht zur Qualitätskontrolle – denken Sie an interferometrische Messverfahren.


Wie wichtig sind Messtechnologien in Ihrem Produktportfolio?

Nitze: Als Berliner Glas Gruppe bewegen wir uns seit etwa 15 Jahren in diesem Marktsegment und haben vor über fünf Jahren eine eigene Business Unit für die Messtechnik geschaffen. Vertrieb, Entwicklung und Fertigung sind gezielt auf diesen Markt ausgerichtet; daran erkennen Sie, welche Bedeutung wir ihm beimessen.


Inwieweit ist Industrie 4.0 in Ihrer Fertigung angekommen?

Nitze: Wir setzen uns damit auseinander. Allerdings geht es in unserer Fertigung optischer Komponenten und optomechanischer Baugruppen meist um Kleinserien, da wir ausschließlich kundenspezifische Komponenten und Baugruppen herstellen. Dabei decken wir die gesamte Kette von der Konzeption und Entwicklung bis zur Fertigung und Qualitätsprüfung ab. Das Gros der Prozesse ist durch manuelle Fertigung gekennzeichnet. Darum erwarten wir eher geringe Auswirkungen auf unsere eigene Fertigung. Das sieht bei unseren Kunden ganz anders aus. Darum wird sich Industrie 4.0 auf die Gestaltung unserer Produkte auswirken.


Wird der Laser ein Gewinner der Industrie 4.0 sein?

Nitze: Der Laser ist aufgrund seiner einmaligen Eigenschaften schon seit Jahrzehnten ein Gewinner in vielen Bereichen. Sein Siegeszug in der industriellen Fertigung hat vor über einem Jahrzehnt begonnen. Hier wird er insbesondere als Werkzeug eingesetzt; beispielsweise zum Schneiden und Schweißen von Blechen und Stahl. Daneben sind Laser zur Inspektion und Qualitätskontrolle im Einsatz, etwa zum Überprüfen von Formen oder Oberflächen. Treiber dafür sind allerdings eher seine besonderen Eigenschaften und weniger Industrie 4.0.


Optische Baugruppen, Bildverarbeitung und Laser ebnen dem medizinischen Fortschritt den Weg. Wie steht es um die Wachstumspotentiale optischer Technologien in Medizintechnik und Biophotonik?

Nitze: Medizintechnik und Life Sciences machen, gemessen am Umsatz, knapp zwölf Prozent der deutschen Photonikbranche aus. Auch hier kann Licht seine einmaligen Eigenschaften ausspielen. In der Biophotonik und den Life Sciences werden viele Analysen und Diagnosen überhaupt erst mit Licht möglich. In der Medizin stehen Licht und Laser für schonende Verfahren. Denken Sie an die minimalinvasive Chirurgie oder an die verschiedenen Formen von Operationen am Auge. Auch mit Blick auf die alternde Gesellschaft bieten sich hier weiterhin große Chancen für die Photonik. Die Wachstumsraten schwanken je nach Anwendungsgebiet. Im Schnitt erwarten Marktbeobachter ein Umsatzwachstum mit jährlichen Raten von fünf bis sechs Prozent.


Die Berliner Glas Gruppe ist technologisch breit aufgestellt, in ihren Märkten aber hoch spezialisiert. Aus der Automobilindustrie hält sie sich bisher heraus. Wird sich das mit dem steigenden Bedarf an optischer Umfeld-Sensorik für das autonome Fahren ändern?

Nitze: Wir haben uns vor etwa zehn Jahren entschieden, bestimmte Marktsegmente innerhalb der Berliner Glas Gruppe mit Produkten und Leistungen abzudecken. In der Automobilindustrie sind wir nur am Rande tätig. Wir beliefern Kunden, die Prüfgeräte herstellen. „Autonomes Fahren“ ist daher zurzeit kein Thema, zumal wir davon ausgehen, dass das Kern-Know-how bei diesem Thema eher in der Soft- als in der Hardware liegt.


Ob 3D-Druck, 3D-Chips oder 3D-Bildgebung – ohne optische Technologien geht es nicht. Inwieweit sehen Sie hier Wachstumspotentiale für die Photonik im Allgemeinen?

Nitze: 3D-Technologien bieten große Chancen. Es gibt vielfältige Treiber. 3D-Druck wird eine entscheidende Rolle im Rahmen von Industrie 4.0 spielen. Auch der Trend zu individualisierten Produkten und Business-on-demand ist ein wichtiger Faktor. 3D-Chips sind ein Ansatz zur weiteren Erhöhung der Leistungsfähigkeit von Chips. Hier kommt zusätzlicher starker Bedarf durch das Internet of Things, in dem Chips ständig steigende Datenmengen verarbeiten und speichern müssen. Die 3D-Bildgebung ist ein entscheidendes Element für die sogenannte „Augmented und Virtual Reality“. Zwar war Google Glass bisher nicht der erwartete Erfolg, doch „Augmented Reality“ ist längst in der Wirtschaft angekommen. Zum Beispiel bei Service-Technikern, die Maschinen warten. Mark Zuckerberg ist davon überzeugt, dass Freunde sich in Zukunft gleich im virtuellen Umfeld „treffen“, statt Bilder oder Videos auszutauschen.


Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in dieser Hinsicht?

Nitze: Bei allen drei genannten Entwicklungen stehen wir erst am Anfang und haben eine spannende Zeit vor uns. Die Photonikbranche wird weiter wachsen. Vielleicht verschieben sich die Akzente in den Anwendungen etwas, aber Licht bleibt ein „Enabler“ mit einmaligen Eigenschaften. Die Berliner Glas Gruppe wird in einzelnen, ausgewählten Bereichen dabei sein. Wir blicken optimistisch in die Zukunft.


Berliner Glas Gruppe
Die Berliner Glas Gruppe ist einer der weltweit führenden Anbieter optischer Schlüsselkomponenten, Baugruppen und Systeme sowie hochwertig veredelter technischer Gläser. Mit dem Verständnis für optische Systeme und optische Fertigungstechnik entwickelt, fertigt und integriert das Unternehmen für seine Kunden Optik, Mechanik und Elektronik zu innovativen Systemlösungen. Diese Lösungen kommen weltweit in der Halbleiterindustrie, der Laser- und Weltraumtechnik, der Medizintechnik, der Messtechnik und der Displayindustrie zum Einsatz. In den letzten zehn Jahren wuchs die Berliner Glas Gruppe von 700 auf 1.100 Mitarbeiter weltweit, die an fünf Standorten in Deutschland, der Schweiz und China tätig sind. Dr. Andreas Nitze war schon während seines Studiums der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften als Werkstudent in der Glasbearbeitung des Unternehmens tätig. Nach seiner Promotion begann er seine Karriere dort vor 25 Jahren als Assistent der Geschäftsleitung. Heute ist er geschäftsführender Gesellschafter und CEO der eigentümergeführten Berliner Glas Gruppe. Er engagiert sich in Verbänden wie SPECTARIS, Clustern wie OpTec-Berlin-Brandenburg und ist Fachbeirat der LASER World of PHOTONICS.


Bildquelle: Berliner Glas

 
 
 
 
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