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09.11.2016

„Die Photonik bietet jede Menge Wachstumsfelder“

Mark Webster, CEO von Gooch & Housego

Mark Webster ist seit 2015 CEO des britischen Photonik-Unternehmens Gooch & Housego. Im Interview spricht er über das herausfordernde Management schnell wachsender Technologieunternehmen, über Photonik-Trends von Life-Sciences bis Satellitenkommunikation und er begründet, warum die britische Photonik-Industrie trotz des Brexits optimistisch in die Zukunft blicken kann.


Herr Webster, können Sie Gooch & Housego bitte kurz vorstellen?

Mark Webster: Gooch & Housego ist ein breit aufgestelltes Photonik-Unternehmen mit 760 Beschäftigten an neun Standorten; fünf in den USA und vier in UK. Wir arbeiten für Konzerne und kleinere Technologiefirmen, treiben viel Forschung & Entwicklung und kooperieren dabei eng mit unseren Kunden. Unser Produktspektrum reicht von maßgeschneiderten Speziallösungen in den Bereichen Akusto-, Elektro-, Faser- oder Präzisionsoptik, Satellitenkommunikation oder Kernfusionsforschung bis hin zur Serienproduktion mit Stückzahlen von vielen zehntausend im Bereich Untersee-Glasfaserkabel.


Sie sind 2012 nach Stationen in der Healthcare- und Pharmabranche zu Gooch & Housego gewechselt. Was hat Sie zum Wechsel in die Photonik bewogen?

Webster: Faszination für die Photonik! Healthcare ist eine eher reife Industrie. Dagegen ist die Photonik noch sehr in Bewegung und bietet jede Menge spannende Wachstumsfelder. Da ich selbst einen wissenschaftlichen Hintergrund habe, reizen mich die Möglichkeiten und die Herausforderung, unser Photonik-Unternehmen zum Erfolg zu führen. Ich war zunächst für 2,5 Jahre im Vorstand von Gooch & Housego, ehe ich Anfang 2015 CEO wurde. Gerade unser Life Science Bereich und unsere Aktivitäten in der medizinischen Diagnostik interessieren mich sehr. Zudem bringe ich Erfahrung aus dem Management schnell wachsender Technologieunternehmen mit. Wir konnten unsere Umsätze in den letzten fünf Jahren verdoppeln. Wir müssen unsere Strukturen und Prozesse auf das Wachstum ausrichten, ohne den Zauber zu zerstören...


In den Life Sciences ist die Photonik ein Fortschrittstreiber. Sehen Sie hier weiteres Wachstumspotential?

Webster: Aber ja! Schon allein in unseren Zielmärkten: Laserchirurgie für kosmetische Eingriffe, Augen- oder Prostata-OPs oder das Entfernen von Tatoos. Optische Kohärenztomographie (OCT), die eine zentrale Rolle im 3D-Imaging der Augenheilkunde spielt und für die wir weitere Einsatzgebiete in der Diagnose von Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder in der OCT-geführten Chirurgie sehen. Auch Trends wie personalisierte Medizin und immer feinere Diagnostik bieten Chancen für die Photonik. Es gibt so viele Möglichkeiten, dass wir uns auf einige wenige vielversprechende Bereiche fokussieren müssen.


Wie sehen Sie als Kenner beider Märkte den Trend zu Virtual Reality und Visualisierungslösungen in der Diagnostik und Mikroskopie?

Webster: Darin sehe ich eine enorme Chance. Zwar sind wir nicht direkt beteiligt. Doch die Möglichkeiten für Forschung, Ausbildung medizinischer Fachkräfte oder Assistenzsysteme in der Chirurgie sind hochinteressant.


Sie haben die Produktvielfalt Ihres Unternehmens angesprochen. Was werden Sie auf der LASER World of PHOTONICS 2017 in München zeigen?

Webster: Wir beginnen gerade mit der Planung. Unser wichtigstes Standbein sind Systeme und Komponenten für die Laser-Materialbearbeitung und Mikroelektronik. Jüngst haben wir einen akusto-optischen Modulator auf Germaniumbasis samt Treiber vorgestellt. Auch UV-Systeme, akusto-optische Deflektoren zur Strahlumleitung in Highspeed-Scansystemen, Nahinfrarot (SWIR) Linsenmodule, wo wir unsere kürzlich vorgestellte 25 mm Linse bald durch eine 12,5 mm Linse ergänzen, kommen für München infrage. Gleiches gilt für hochpräzise Sensorsysteme, mit denen wir unter anderem Fabriken für Smartphones, Tablets und andere mikroelektronische Produktionsbereiche ausrüsten.


Ihre Produkte und Systeme scheinen allgegenwärtig. Wie schwer ist es, eine solche technologische Vielfalt zu managen?

Webster: Wir müssen uns fokussieren. Um alle Ideen unserer Entwickler zu verfolgen, fehlen uns schlicht die Ressourcen. Als ich hier die Rolle des CEO übernahm, hab ich mir erst alle Produkte und Entwicklungsprojekte aller Standorte angeschaut. Es waren sehr viele. Wir haben uns entschieden, die Zahl zu reduzieren, um einzelne Projekte besser ausstatten zu können.


Welche?

Webster: Ein Fokus liegt nun auf der Satellitenkommunikation, da hier ein technologischer Umbruch von der bisher eingesetzten Mikrowellenkommunikation in Radiofrequenzen auf optische lasergepulste Kommunikation im Gang ist.


Was sind die Treiber?

Webster: Es gibt einen Trend zu Kleinstsatelliten, von denen hunderte oder gar tausende Netzwerke im All bilden werden. Dafür braucht es leichtgewichtige, zuverlässige und robuste Kommunikationslösungen. Hier bietet die optische Kommunikation klare Vorteile.


Worauf konzentrieren Sie sich außerdem?

Webster: Laser für Fertigungsprozesse mit hohen Wiederholungsraten und ultrakurzen Pulsen. Das Fokussieren auf Kernbereiche, in denen wir das größte Marktpotential sehen, ist eine Herausforderung. Gerade wenn man es mit enthusiastischen Ingenieuren zu tun hat, aus denen die Ideen nur so sprudeln.


Industrie 4.0 ist ein Megatrend. Inwieweit beeinflusst er die Fertigung oder die F&E-Projekte von Gooch & Housego?

Webster: Wir beobachten die Entwicklung und sind durch unsere industriellen Lösungen indirekt beteiligt. In unseren eigenen Werken treiben wir ein großes Lean Manufacturing Projekt voran, um Effizienzpotentiale in unserer Fertigung zu heben. Die britische Regierung fördert uns dabei. Um effizienter zu werden, brauchen wir bessere Informations- und Feedbacksysteme. Automatisierung ist in der Photonik wegen der meist sehr geringen Stückzahlen schwierig, aber wir versuchen sie soweit wie möglich umzusetzen.


Eine letzte Frage: Wie wird sich der Brexit auf Ihr Unternehmen und die britische Photonik-Branche als Ganzes auswirken?

Webster: Wir erzielen wir rund 70 Prozent unserer Umsätze in US-Dollar und unter 10 Prozent in Euro. Aktuell profitieren wir von der Abwertung des Pfunds, da unsere Lösungen im Ausland billiger werden. Doch wichtiger ist, dass wir als hoch spezialisierter Anbieter in Märkten agieren, wo es oft nur zwei oder drei Wettbewerber gibt. Teils sind wir mit unserem Knowhow sogar allein auf weiter Flur, etwa in der Kernfusionsforschung. Wir haben enge Beziehungen zu unseren Kunden. Sie vertrauen uns. Ihre Qualitätsmanagementsysteme sind mit unseren kompatibel. All das hat mich dazu bewogen, trotz des Brexit nichts an unseren Investmentplänen zu ändern. Und ich denke, viele britische Photonik-Unternehmen sind in einer ähnlichen Lage. Wir sind eine hoch spezialisierte Industrie, die in Wachstumsmärkten agiert. Für manch andere Branchen werden die Konsequenzen härter sein. Wir schauen optimistisch in die Zukunft.

Bildquelle: Gooch & Housego

 
 
 
 
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